Die versteckten Kosten der Photovoltaik: Nicht nur Investition und Stromerzeugung

Die tatsächlichen Kosten zeigen sich erst im Laufe der Jahre

Bei der Bewertung einer Photovoltaikanlage konzentriert sich die Aufmerksamkeit fast immer auf zwei Hauptaspekte: die Anschaffungskosten und die erwartete Stromerzeugung. Dies ist ein verständlicher Ansatz, da es sich um unmittelbar ersichtliche Daten handelt, die leicht zu vergleichen sind und oft ausschlaggebend für die endgültige Entscheidung sind. Es gibt jedoch eine dritte Variable, die zwar weniger offensichtlich, langfristig jedoch ebenso entscheidend ist: die Kosten für die Aufrechterhaltung dieser Erzeugung über einen längeren Zeitraum.

Dieser Aspekt wird deutlich, wenn man einen oft unterschätzten Aspekt betrachtet: die Reinigung der Photovoltaikmodule.

Verschmutzte Photovoltaikmodule mit Staubablagerungen auf der Moduloberfläche.

Reinigung der Module: ein unterschätztes Thema

Im Laufe der Zeit lagern sich Staub, Smog, Pollen, organische Rückstände und Witterungseinflüsse auf der Oberfläche der Module ab. Selbst in scheinbar „sauberen“ Umgebungen ist dieses Phänomen unvermeidlich. Die Folge ist ein fortschreitender Wirkungsgradverlust: Je weniger Licht die Zellen erreicht, desto weniger Energie wird erzeugt. In einigen Fällen kann der Wirkungsgradverlust erhebliche Prozentsätze erreichen, insbesondere in städtischen oder industriellen Gebieten.

An dieser Stelle stellt sich eine operative Entscheidung: reinigen oder nicht reinigen.

Die Reinigung der Module ist mit Kosten verbunden. Ob es sich nun um manuelle Arbeiten, automatisierte Systeme oder ausgelagerte Dienstleistungen handelt – es handelt sich in jedem Fall um einen wiederkehrenden Kostenposten. Und nicht nur das: Bei einigen Anlagen, wie beispielsweise solchen auf schwer zugänglichen Dächern oder in komplexen städtischen Umgebungen, kann die Reinigung logistisch aufwendig und damit noch kostspieliger werden.

Bei einer durchschnittlichen 20-kW-Anlage belaufen sich die Kosten für eine professionelle Reinigung in der Regel auf 400 bis 600 Euro pro Einsatz, je nach Zugänglichkeit des Daches und dem Zustand der Anlage.
Im Durchschnitt wird eine Reinigung 1–2 Mal pro Jahr empfohlen, auch wenn es in städtischen Gebieten oder an besonders schmutzbelasteten Standorten sinnvoll sein kann, häufiger Maßnahmen zu ergreifen.

Andererseits bedeutet ein Verzicht auf Maßnahmen, einen Leistungsverlust in Kauf zu nehmen. Und dieser Verlust führt im Laufe der Zeit zu geringeren Einnahmen oder geringeren Energieeinsparungen. Mit anderen Worten: Auch das „Nichtstun“ hat seinen Preis, wenn auch einen weniger sichtbaren.

Kosten entstehen immer, auch wenn man sie nicht sieht

Dies führt zu einer grundlegenden Überlegung: Kosten entstehen in beiden Szenarien. Der Unterschied besteht darin, dass die einen oft explizit sind (die Wartung), während die anderen implizit sind (der Produktionsausfall).

Viele Investitionen werden ausschließlich auf der Grundlage des Anschaffungspreises und der theoretischen Erträge bewertet. Im Falle der Photovoltaik führt das Ignorieren der Betriebskosten jedoch zu einem unvollständigen Bild. Selbst geringe Effizienzverluste können, wenn sie über einen längeren Zeitraum anhalten, zu erheblichen Beträgen führen.

Zwei Mitarbeiter reinigen Photovoltaikmodule, die auf einem Dach in einem städtischen Gebiet installiert sind.

Die Gesamtbetriebskosten: Der eigentliche Maßstab, den es zu berücksichtigen gilt

Genau hier kommt das Konzept der Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO) ins Spiel. Dieses Prinzip fordert dazu auf, über den Kaufpreis hinauszublicken und alle Kosten zu berücksichtigen, die im gesamten Lebenszyklus eines Gutes anfallen: Installation, Betrieb, Wartung, langfristige Effizienz und schließlich die eventuelle Entsorgung.

In der Photovoltaik ist die Gesamtbetriebskosten (TCO) von besonderer Bedeutung. Eine Anlage ist für eine Betriebsdauer von 20 bis 30 Jahren ausgelegt, und selbst geringe Effizienzverluste können, wenn sie über einen längeren Zeitraum anhalten, erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben. Ein jährlicher Produktionsverlust von 5 bis 10 %, der sich über Jahrzehnte hinweg summiert, kann die anfänglichen Kosten für regelmäßige Wartungsarbeiten leicht übersteigen.

Auf Langlebigkeit ausgelegt: Die Bedeutung der anfänglichen Entscheidungen

Zudem sind nicht alle Anlagen gleich. Einige Konstruktionslösungen berücksichtigen diese Aspekte bereits: Neigungen, die die Selbstreinigung durch Regen begünstigen, Materialien, an denen sich weniger Schmutz ansammelt, sowie vertikale oder halbvertikale Anordnungen, die den Wartungsaufwand drastisch reduzieren. In diesen Fällen können die mit der Reinigung verbundenen Betriebskosten deutlich geringer ausfallen als bei herkömmlichen Anlagen.

Das bedeutet, dass sich die Bewertung einer Anlage nicht auf die Frage „Wie viel produziert sie?“ beschränken sollte, sondern zu einer umfassenderen Überlegung führen sollte: „Wie viel kostet es mich, diese Produktion langfristig aufrechtzuerhalten?“

Es handelt sich um einen subtilen, aber wesentlichen Unterschied. Denn dadurch verlagert sich der Fokus von einer statischen auf eine dynamische Sichtweise, von Anschaffungskosten hin zu einer Gesamtinvestition.

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Letztendlich ist die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage nicht nur eine unmittelbare technische oder wirtschaftliche Entscheidung, sondern eine langfristige strategische Entscheidung. Die Berücksichtigung der versteckten Kosten – wie Wartung und Effizienzverluste – ermöglicht eine realistischere und umfassendere Einschätzung des Werts der Investition.

Und auf lange Sicht macht dieses Bewusstsein den entscheidenden Unterschied aus.